Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

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Mo. 07.07.14
Werden wir Weltmeister?!?
Werden wir Weltmeister?!?

Vielleicht ist diese Frage nach dem Spiel am Freitag ja schon längst beantwortet… Doch unabhängig davon, ob Deutschland gegen Frankreich verloren oder gewonnen hat, ist der Wunsch nach dem Weltmeister-Titel bei allen Fußball-Fans hierzulande sicherlich groß. Aber der Ball ist ja bekanntlich rund …

 

Bei dem Spiel auf dem grünen Rasen ging mir auch die Frage durch den Kopf: Wie steht es eigentlich in der Meisterschaft, in der wir alle mitspielen? Wie steht es um unsere WELT-Meisterschaft? Werden wir diese Welt meistern? Werden wir Gottes Spielregeln für eine gerechte Welt doch noch begreifen und sie an unserem jeweiligen Platz umsetzen lernen?

 

Das ist vielleicht noch schwieriger als die Herausforderung, besser als alle anderen das Runde ins Eckige zu treten oder zu köpfen. Besonders, weil wir diesen Wettbewerb nicht bequem vom Sessel vor dem Fernseher aus verfolgen können, auch nicht von den Rängen in den Stadien. Wir sind selbst mit dabei, sind mitverantwortlich dafür, am Ball zu bleiben und weder uns noch andere dabei ins Abseits zu stellen.

 

Werden wir da Weltmeister darin, in dieser Welt und mit ihr so zu leben, dass alle auf ihr leben können? – Zugegeben, manchmal gerät man ganz schön aus der Puste bei dieser WELT-Meisterschaft. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass einmal alle Menschen zu den Gewinnenden gehören werden. Unter dem Geist Gottes könnte der Himmel trotz mancher Niederlagen dieser Erde noch ein gutes Stück näher kommen.

 

Den Fußball-Fans wünsche ich noch spannende Spiele bis zum Ende der WM und uns allen viel Mut und gute Ideen beim Spiel in unserer WELT-Meisterschaft.

Di. 22.04.14
"Und was hast du für ein Hobby?"
"Und was hast du für ein Hobby?"

Seit gut 50 Jahren gibt es James-Bond-Filme. Zum Jubiläum kam Ende 2012 "Skyfall" in die Kinos, ein spannender Agententhriller. Die ersten Worte des Titelsongs lauten "This is the end!" ("Das ist das Ende!") Zunächst trifft das auch auf James Bond zu. Auf dem Dach eines fahrenden Zuges wird er von einer Kugel getroffen und stürzt in die bodenlose Tiefe eines reißenden Flusses. Nach seiner wundersamen Rettung kommt es allerdings zu einem weiteren Absturz: übermäßiger Alkoholkonsum und Tablettenmissbrauch bringen den harten Spion an den Rand. Schmerzhaft verzieht er das Gesicht, ringt nach Luft und hat seine zitternde Hand nicht mehr unter Kontrolle.

 

"Das ist das Ende!" – Wer den Anforderungen nicht mehr genügt, wer den Eignungstest nicht besteht, wer abstürzt, wer den Erwartungen nicht entspricht, der ist am Ende. Aber nicht James Bond! Als er vor seinem Gegenspieler steht, und der ihn fragt: "Und was hast du für ein Hobby?", antwortet "007": "Auferstehen!"

 

Auferstehen – das ist auch die Antwort des christlichen Glaubens auf Abstürze und auf alles, was so aussieht, als sei es das Ende. "This is the end!" haben die Anhänger und Wegbegleiterinnen von Jesus gedacht, als sie ihn am Kreuz qualvoll sterben sahen. Und dann, drei Tage später, hörten sie: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!" (Lukas 24, 5b+6)

 

In Lebenssituationen, in denen der Boden unter meinen Füßen bedrohlich wankt, fällt es mir schwer, aufzustehen und begehbare Wege zu entdecken. Mir fehlt die Kraft für neue Schritte. Doch ich muss kein Superagent sein, um nach tiefen Krisen, Abstürzen, Versagen und Scheitern Auferstehung zu erleben. Ich kann es Gott zutrauen, dass er besonders an diesen Abgründen an meiner Seite steht und mich – auch durch die einfühlsame Begleitung hilfreicher Mitmenschen – Auferstehung erfahren lässt.

 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest

Mo. 30.12.13
Ich sehe was, was...
Ich sehe was, was...

Sie kennen es sicherlich auch, dieses alte Kinderspiel: "Ich sehe was, was du nicht siehst..." In unterschiedlicher Zusammensetzung kann man es fast jederzeit und überall spielen. "Ich sehe was, was du nicht siehst. Und das ist grün!" "Das Moos neben dem Baumstamm? Das Auto dort unten? Die Jacke der Frau da vorne?"

"Ich sehe was, was du nicht siehst." Was sehen Sie, wenn Sie auf das neue Jahr 2014 blicken? Ein freudiges Ereignis? Einen bereits jetzt schon gut gefüllten Terminkalender? Einen Stellenwechsel? Ein Jubiläum?

Vielleicht sorgen Sie sich auch um das, was Sie sehen könnten: Wird mein Freund die erneute Krebserkrankung überleben? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wird meine Kraft reichen für die vielleicht noch unsichtbaren Herausforderungen, die das neue Jahr mit sich bringt?

So klar und deutlich wie bei dem Kinderspiel können wir das, was uns in 2014 erwartet, vermutlich nicht sehen. Aber schon jetzt - kurz vor Beginn des neuen Jahres - gilt für alles, was wir erleben und erfahren werden: Gott will uns dabei begleiten. Unabhängig davon, ob das, was wir (nicht) sehen, blau oder gelb ist, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns in allem und trotz allem nahe ist.

Ob Maria auch schon 'Ich sehe was, was du nicht siehst ' gespielt hat, weiß ich nicht, aber was wir an ihr erkennen können, hat Johannes Kuhn so beschrieben:

"Wie Maria – sich nicht verschließen, nicht nach Erklärung fragen, Vertrauen haben.

Wie Maria – ein weites Herz haben, Gott einlassen und sich nicht fürchten vor dem,

was kommt."

Diese Zuversicht wünsche ich Ihnen und mir für 2014!

Mo. 02.12.13
Ein Kind verändert das Leben
Henning Sievers
Ein Kind verändert das Leben

Ein Kind kommt – und verändert das Leben.

Es verändert den Tagesablauf und den Nachtschlaf der Eltern. Seine Bedürfnisse bestimmen den Alltag.

Es verändert die Blickrichtung der Eltern. Es zeigt ihnen, was wichtig ist im Leben: Liebe, Fürsorge, Nähe.

Die Eltern haben ein Wunder erlebt, das Wunder der Geburt.

Es zeigt, dass das Leben ein Geschenk ist – und nicht selbstverständlich.

Manches Paar hat gespürt, dass hier Gott selbst am Werk ist.

Ein Kind, ein neues Leben kommt in unser Leben – und wir entdecken erstaunt, wie viel Liebe in uns steckt, die wir weitergeben können.

Advent – ein Kind kommt und verändert das Leben.

Es verändert das Leben von Maria und Josef, seinen Eltern. Haben sie damals etwas anderes gefühlt als die Eltern heute?

Wahrscheinlich nicht.

Dieses Kind kommt und verändert das Leben von uns Menschen. Denn als der erwartete Messias und Erlöser kommt es anders als erwartet. Als Kind einfacher Leute in einem Stall geboren und nicht als Prinz in einem Schloss.

Und damit zeigt sich schon, was der erwachsene Jesus predigen und leben wird.

Er wird die Welt auf den Kopf stellen und das Leben verändern.

Den Erwachsenen stellt er die Kinder als Vorbilder im Glauben hin.

Den ganz Gesetzessturen sagt er, dass der Mensch wichtiger ist als die Vorschriften.

Die Rachsüchtigen ermahnt er: Vergebt und geht auf den Nächsten zu.

Den Richtenden sagt er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Advent – ein Kind kommt und verändert die Welt – damals wie heute.

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Mo. 24.11.14
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt…
Henning Sievers
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Irgendwas geht immer schief bei den Festvorbereitungen.

"Weihnachten und andere Katastrophen" heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Igendetwas geht immer schief bei den Festevorbereitungen.

So wie der Weihnachtsbaum, der, am Vorabend geschmückt, mit all seiner Pracht am nächsten Morgen bei uns im Wohnzimmer lag und den ganzen Heiligabendzeitplan durcheinanderbrachte.

Und warum wieder ausgerechnet am Heiligabend mit dem Kind zum ärztlichen Wochenenddienst?

Alle Planungen scheinen nichts zu nützen, um das Fest gelingen zu lassen.

Wird dieses Jahr Weihnachten wieder was passieren? Zuhause? Oder etwas ganz Furchtbares, wie die Flutwelle vor einigen Jahren in Asien oder das Erdbeben im Iran. Warum immer zu Weihnachten.

Da ist doch der Wunsch, dass alles gut sein möge, die Sehnsucht nach ein bisschen heiler Welt - wenigstens an Weihnachten. Bin ich behütet? Kann ich sicher sein? Habe ich Menschen, die sich um  mich kümmern? Wenigstens an Weihnachten - und der Erwartungsdruck ist dann stark, dass alle sich vertragen und guter Stimmung sind. Diese Erwartungen an das Fest!

Was tun mit seinen Erwartungen ? Wer erwartet, der hofft.

„Alle Jahre wieder…“ als ob wir jedes Jahr von vorne anfangen mit dem Hoffen. Als ob wir jedes Jahr wieder bei Null beginnen müssen. “Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus.“ Gott selbst gibt die Hoffnung nicht auf. Und fängt von vorne an. Mit uns – nicht mit seinem Segen. Und auch nicht jedes Jahr, sondern ein für alle Mal. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus, in dem sich Gott hier auf der Erde zeigt. So sagt Gott „ja“ zu uns, ein für alle Mal.

Wir haben Gottes ganzen Segen. Es mag noch manches passieren an kleinen und großen Katastrophen, aber seinen Segen haben wir – auch dann.

Gott verspricht nicht, dass das Essen nicht anbrennt und der Tannenbaum gerade stehen bleibt, und dass alle sich in der Familie vertragen. Vielmehr sagt er: obwohl das alles passieren kann, gehörst du zu mir. Verlass dich drauf. Auch wenn schlimme Dinge passieren können, ich habe meinen ganzen Segen über dir ausgebreitet, über der ganzen Menschheit. Alle Liebe, die ich habe, habe ich gegeben in Jesus, sagt Gott. Ein für alle Mal. Und das kannst du feiern, wenn du das Kind in der Krippe feierst.

Pastor Henning Sievers

Pastor der Michaelskirche

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Mo. 07.10.13
Teamwork
Teamwork

Vor einigen Tagen las ich in einer Zeitschrift folgende Geschichte:

"Zum Erntedank besucht der Pfarrer seine Bauern. Voller Stolz zeigt ihm Bauer Hinnerk seinen Hof mit den bestellten Feldern, den üppig gefüllten Scheunen und dem nagelneuen Milchtank. Der Pfarrer ist sichtlich beeindruckt, ermahnt den Bauern aber eindringlich: "Denk daran, wem du das alles zu verdanken hast! Gott hat bei alledem mitgeholfen!" "Das weiß ich", antwortet Hinnerk. "Aber, Herr Pfarrer, Sie hätten mal sehen sollen, wie runtergekommen der Hof war, als Gott ihn noch allein bewirtschaftet hat."

Recht hat er, dieser Bauer, habe ich gedacht. Ernte und Erntedank ist keine einseitige Angelegenheit sondern immer auch Teamwork. Das gilt genau so für die Ernten im Leben. Umgraben, einsäen, pflegen, Früchte einsammeln auch auf dem Acker des Lebens - eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch.

Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt: "Gott hat keine anderen Hände als unsere. Keine anderen Augen, keine anderen Ohren."

Gott braucht uns für not-wendige Veränderungen in dieser Welt, für den klaren Blick in undurchsichtigen Zusammenhängen, für aufmerksames Hören auf das, was im alltäglichen Lärm manchmal übertönt wird.

Auf der anderen Seite brauchen wir das Bewusstsein, dass nicht alles in dieser Welt, in unserem Leben machbar, kalkulierbar und berechenbar ist. Und ebenso benötigen wir das Vertrauen in Gottes tragende Nähe, die uns auch in ertraglosen und unruhigen Zeiten hält.

 

Gutes Gelingen in dieser Zusammenarbeit wünscht Ihnen

Mi. 25.09.13
Unser tägliches Brot gib uns heute....
Gunda Handrich
Unser tägliches Brot gib uns heute....

In unseren Breiten gehört die Scheibe Brot zur täglichen Ernährung. Morgens mit Marmelade und abends mit Leberwurst bestrichen, möchten wir nicht darauf verzichten.

Brot gehört dazu. Früher kam das ganze Dorf zusammen, um das Brot im Backhaus zu backen. Heute stehen wir in der Bäckerei vor vollen Regalen und können wählen zwischen unendlich vielen Sorten. Brot ist selbstverständlich und im Überfluss vorhanden. Das war nicht immer so, doch inzwischen leiden wir in unserer Region daran keinen Mangel. Gott sei Dank!

 

Sie alle kennen das Vaterunser. In einer Bitte dieses Gebetes heißt es: "Unser tägliches Brot gib uns heute".

Ist denn diese Bitte bei den vollen Regalen überhaupt noch zeitgemäß? Wir brauchen doch nicht mehr zu bitten, wir können doch kaufen. Ja, stimmt, Brot können wir kaufen; manchmal so viel, dass einiges davon im Müll landet. 

Aber können wir Brot noch achten und dafür dankbar sein?

 

So viel ist nötig, damit wir Brot auf dem Tisch haben: die Samenkörner müssen keimen und wachsen. Das gelingt nur, wenn guter Boden und das passende Wetter die Bedingungen dafür schaffen. Dann steht das Getreide -wenn alles gut geht- so schön und üppig auf den Feldern. Danach geht es an die Ernte, das reife Korn wird zu Mehl verarbeitet und das schließlich zu Brot. Wer diesen Werdegang betrachtet, begreift: Brot ist etwas Wunderbares und Wertvolles.

 

"Unser tägliches Brot gib uns heute". Diese Bitte erinnert uns an das Wertvolle und Lebensnotwendige, das wir von Gott und den Menschen bekommen. Dazu gehört ja nicht nur Brot, also Essen und Trinken. Dazu gehört viel mehr: Zeit, die wir für uns selbst und für andere haben; Freundschaft, die den anderen/ die andere mit Gottes Augen sieht; Freude daran, mit anderen zu teilen....

Ihnen fällt sicher noch mehr ein. Und das alles wünsche ich Ihnen.

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So. 14.07.13
Bittet, so wird euch gegeben!
Werner Hagedorn
Bittet, so wird euch gegeben!

„Bittet, so wird euch gegeben“, sagte Jesus. Wie ist das, wenn Menschen einander um etwas bitten? Bei Tisch kann ich sagen: „Reich mir doch bitte das Salz!“ Niemand wird antworten: „Hol's dir selber!“ Sondern die Person, die ich angesprochen habe, wird mir das Salzfässchen reichen. Wenn ich bei Tisch gebeten werde, jemand anders etwas zu reichen, freue ich mich. Gern erfülle ich die Bitte, und ich reiche nicht nur das Salzfässchen, sondern schenke dem andern auch noch einen freundlichen Blick und ein nettes Wort: „Aber gerne!“ Dagegen spreche ich nicht so gern eine Bitte aus. Ich möchte nicht stören, niemandem lästig werden. Bitten fällt schwer, trotz des Umkehrschlusses: Ich helfe andern gern, also helfen mir andere ebensogern. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir stark, erfolgreich und unabhängig sein sollen. An mir selber beobachte ich: Ich spiele lieber die Rolle dessen, der geben und helfen kann, als die Rolle dessen, der bitten muss.
 

Wie aber verhält es sich, wenn ein Mensch um Asyl bittet, also um Schutz für Leib und Leben? Möglicherweise hängt sein Leben von der Erfüllung der Bitte ab. Er richtet diese Bitte aber nicht an einen Menschen, sondern an eine Institution. Er bringt sie vor der zuständigen Stelle vor. Er muss sein Asyl beantragen. Was einem Menschen bei Tisch nicht einfallen würde: dem Gegenüber eine Bitte um etwas fast Belangloses abzuschlagen, das vollführen von Menschen eingerichtete Institutionen mit mechanischer Routine: Die Bitte ums Überlebendürfen abzuschlagen. Einer alleinerziehenden Mutter gelingt es nicht, ihre Kinder bis zum Monatsende zu versorgen. Ihre Anträge und Bitten werden abschlägig beschieden. Das menschliche Kollektiv erhört weder die Bitte, den Antrag der Mutter noch die stummen Bitten der Kinder. Trotz aller Sonntagsreden über die Bedeutung der Kinder für unser Land und unsere Zukunft.

 

„Bittet, so wird euch gegeben!“ Ich denke, Jesus prophezeite eine menschliche, eine lebenswerte und liebenswerte Gesellschaft. In ihr würde es um das Erfüllen des Willens Gottes gehen. Darum sind unsere Bitten an Gott: „unser tägliches Brot gib uns heute ...“ immer zugleich die Bitte um eine gerechte Gesellschaft. Für das Erhören der lauten und noch mehr der leisen Bitten sind Gott und Mensch gemeinsam verantwortlich.

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Mi. 12.06.13
Vergeben und vergessen?
Vergeben und vergessen?

Einem anderen Menschen vergeben, was er einem Schlimmes angetan hat – das ist der vielleicht schwerste Anspruch an das Leben eines gläubigen Menschen. Ein Mensch, der Gott vertraut, trägt einem anderen Menschen seine Schuld nicht nach. Zugleich gibt es über kaum ein Thema zwischenmenschlicher Konflikte größere Missverständnisse. Sie führen dazu, dass Vergebung im christlichen Sinn auch unter Christen selten gelingt. Muss ich auch vergessen, was ich vergebe? Muss es dann nicht wieder so sein, als wäre nie etwas gewesen? Muss jemand nicht erst bereuen, bevor ihm seine Schuld vergeben werden kann? In vielem schwingt die kindliche Idee mit, Vergebung würde ein Unrecht wie ungeschehen machen. Aber es geht nicht um die Wiedergutmachung der Vergangenheit, sondern um gelingende Zukunft.

„Justitia und pax“ –Gerechtigkeit und Frieden heißt eine Luxemburger Kommission von Christinnen und Christen, die zehn eindrucksvolle Thesen über die Vergebung formuliert haben. Thesen gegen die Selbstüberforderung durch vermeintlich christliche Missverständnisse. Hier sind einige dieser Thesen: „Vergebung ist nicht von einem Geständnis abhängig.“ „Vergebung erfordert keine übereinstimmende Auffassung von der Vergangenheit.“ „Vergebung bedeutet, von meinem natürlichen Recht auf Rache loszulassen, bzw.: Vergebung ist die beste Rache.“ „Vergebung bedeutet nicht, vergessen.“ „Vergebung bedeutet nicht, das Verhalten einer anderen Person zu entschuldigen.“ „Vergebung bedeutet, das Unrecht nicht immer wieder zur Sprache zu bringen.“

Den ganzen hilfreichen Text finden Sie unter flgendem Link: JusPaxT2000.pdf

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Hans-Peter Daub (Superintendent)

 

 

So. 19.05.13
Begeistert
Begeistert

Wie gelingt Veränderung? Veränderung ist notwendig in vielen Bereichen. Man müsste alles auf den Kopf stellen, noch einmal von vorn anfangen. Grundsätzlich, andere Strukturen, Erneuerung auf ganzer Linie:, im Finanzgebaren, in der Politik, vor allem in der materiellen Grundorientierung dieser Gesellschaft und auch in der Kirche. Gier, Machtgehabe und Mogelei – das muss anders werden. Wenn nichts Grundlegendes geschieht, wird es sich nicht bessern. Nur leider, was kann ein einzelner Mensch tun?

Gottes Geist begeistert Menschen. Er fährt nicht in Strukturen, er zeigt sich nicht im großen Ganzen, sondern immer in Menschen aus Fleisch und Blut. Begeisterte. Begabte. Und es ist keine Masse. Zwölf Leute waren es an dem Anfang, von dem die Bibel erzählt. Und einer von ihnen wie Petrus ist so begabt, dass er den Mund aufmacht und deutet, was geschieht. Veränderung ereignet sich, indem Gottes Geist in die Menschen kommt. Ein Einfall. Inspiration. Innovation. Und die, die sich dem öffnen, teilen miteinander, was sie begeistert. Die Jungen erzählen den Alten von ihren Zukunftsideen. Die Alten verstecken nicht länger verschämt ihre Träume, die ja noch immer da sind. Sie reden miteinander von dem, was möglich ist. Und sie tun, was sie im Inneren begeistert.

Nicht jede Inspiration verändert die Welt. Aber ohne Inspiration geschieht nichts Lebendiges. Pfingsten erinnert an diese tiefe Wahrheit. Ohne Begeisterung wird sich nichts zum Besseren verändern, - durch den Geist, nicht durch Gewalt.

Manche glauben, früher gab es mehr von Gottes Geist. An dem ursprünglichen Pfingstfest z.B. mit Brausen und Feuerflammen. Aber heute sind wir von guten Geistern verlassen. Ich glaube nicht, dass Gott in unserer Zeit weniger gegenwärtig ist als in anderen. Er geizt nicht ausgerechnet heute und bei uns mit dem Geist, den er auf die Jünger so freigiebig ausgegossen hat. Wir müssen aber den Blick schärfen und Platz lassen für die Begeisterung eines Menschen. In der Begeisterung liegt eine Kraft, die auch uns anstecken kann. Und wir sollten mehr Raum geben für das, was uns selbst inspiriert.

Wenn zwölf ihre Begeisterung teilen, geschieht ein Aufbruch. Mit Gewissheit. Pfingsten heute. Da wird nicht alles anders, aber vieles wird neu in der Kirche, in der Politik und auch im eigenen Leben. In jedem Fall. Es ist gut, wenn wir dabei sind. Gott segne Ihr Pfingstfest!

 

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