Die große Michaelsplastik

 

 

Die große Michaelsplastik

Die Nordwand der Michaelskirche schmückt eine die Mauer überragende Groß-Plastík mit dem Erzengel Michael. Beim Bau der Kirche hatte die Behörde angeordnet: "Die Wand ist mit einer Plastik aufzulockern". Das ist in der grauen Figur des Stuttgarter Bildhauers Elmar Lindner geschehen.

Die große Michaelsplastik

 

 

Die große Michaelsplastik

Michael rangiert auf der obersten Stufe der biblischen Engelsgestalten. Er ist Symbol für die Beziehungen zwischen dem Ewigen und Vergänglichen, Himmel und Erde, Gott und seinen Geschöpfen. Er personifiziert in mysthischer Form die Realität dieser geistig-geistlichen Zusammenhänge. Die Bibel konnte sich den Mittelsmann nicht anders als mit Flügeln vorstellen. Die Michaelsplastik hat mehr als zwei Flügel bekommen!

Der skizzenhafte Entwurf zu unserer Großfigur weist unübersehbar Flügel aus. Der gestaltende Künstler hat die Skizze jedoch im Sinne des herrschenden Modegeschmacks "picassiert" und eine Zertrümmerung der Form vorgenommen. Elemente wurden verfremdet, deplaziert, verrückt. Lediglich Michael in Menschengestalt bleibt unverändert.

Da sind noch zwei Elemente im Bild, die man "Geiststrahlungen" nannte. Sie sind gegenläufig. Eins tendiert nach oben, das andere nach unten. Auf ihnen entdecken wir archaische Zeichen, die Urworte wie auf Runenbrettern raunen mögen. Es ist die Botschaft zwischen Schöpfer und seinen Geschöpfen: Die "Anrufungen" und die "Offenbarungen". So erhält das Kunstwerk seinen urgewaltigen Effekt.

Der Erzengel steht fast losgelöst vor diesen transzendenten Symbolen. Leichtfüßig, beinahe "schwerelos" schwebt er im Schatten der zum Himmel ragenden Sinnzeichen. Aber er berührt noch den Boden der Erde. Ihr will er zugehören. Sie ist der immanente Bereich seiner zwischenmenschlichen Wirksamkeit. Sein Gesicht blickt frei in die Welt, das Haupt ist erhoben. Er trägt weder Helm noch Kopfputz. Der weite Mantel ist zum Schreiten offen. Die geöffnete Rechte ruht betroffen auf der Brust. Sie hat ja kämpfen müssen. Nun sind beide Hände ohne Faust und Waffen (Faustwaffen). Die uns zugewandte Linke zeigt die Innenhand. Sie bietet sich offen dar, ist frei von Hinterhalt und Tücke. Sie wirkt gelöst, vielleicht erlöst. Pulsierende Wärme, ja Zuwendung und Hilfsbereitschaft möchte sie schenken. Michaels Hände wollen Gottesfrieden.

BILDER (1)