Der Turm und die Glocken der Michaelskirche

 

 

Der Turm und die Glocken der Michaelskirche

Der ziegelsteinerne Glockenturm der Michaelskirche ist ein freistehender Kampanile, wie man ihn in Italien häufig findet. Er bildet den nordöstlichen Eckpunkt des weiten Kirchplatzes. 30 Meter ist er hoch und birgt in der Glockenstube fünf Bronzeglocken verschiedener Größe und Klangfarbe.

 

Der Turm und die Glocken

 

 

Der Turm der Michaelskirche

Für alle großen Kirchen auf der Erde ist der Glockenturm mit schwingenden Schallkörpern typisch. Sie verleihen dem Klang mystische Lebendigkeit. Seit dem 6. Jahrhundert werden sie gegossen, meist in Bronze. Ursprünglich hatten sie die Form eines Bienenkorbes. Seit langem aber werden sie nur noch in Kelchform gegossen. Den unteren Rand der Glocke nennt man Glockenmund. Durch Anschlag an die Innenwand erzeugt der Klöppel den Ton, der durch schwingenden Klang aus dem weit offenen Glockenmund schallt und die Ohren der Menschen erreichen will.

Glocken sollten zum Gottesdienst und Gebet rufen. Beim Läuten versammelt der Küster die Klangkörper in wechselnder Anzahl zu unterschiedlicher Tonmischung und fest bestimmter Klangfarbe. Dabei spielen Tageszeit und Anlaß die wesentliche Rolle.

Die Namen und Tonstimmung der fünf Glocken sind:

  1. Friedensglocke - h´
  2. Betglocke - cis´´
  3. Taufglocke - fis´´
  4. Lobglocke - gis´´
  5. Glaubensglocke - a´´

Jede Glocke trägt eine eigene Inschrift.

Friedensglocke: "Uns, Herr, wirst du Frieden schaffen." (nach Jesaja 27,5)

Betglocke: "Herr, lehre uns beten." (Luk. 11,1)

Taufglocke: "Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige" (Off. 1,17f)

Lobglocke: "Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen." (Psalm 8,2)

Glaubensglocke: "Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht." (Jesaja 7,9)

Unser Geläut ist auf die anderen Kirchen in der Stadt gut abgestimmt.

Läuteordnung:

  • Sonn- und Feiertage werden am Vorabend mit den vier Glocken (2-5) eingeläutet.
  • Zu den Hauptgottesdiensten erklingt "volles Geläut", zum Kindergottesdienst rufen Bet-, Tauf- und Lobglocke.
  • Bei Taufen außerhalb des Gottesdiestes hört man die Tauf- und Glaubensglocke.
  • Zu Andachten und Nebengottesdiensten läuten die Glocken 2 und 4 (Bet- und Lobglocke)

Beim Tod eines Gemeindemitgliedes wird dies um 10.45 Uhr durch Bet- und Taufglocke bekannt gemacht. Ein Stilles Gebet für das in die Ewigkeit abgerufene Gemeindeglied und des eigenen Endes sind üblich. Zu den Beerdigungen läuten die Glocken der zuständigen Friedhofskapelle.

Die Betglocke hat noch eine eigene Funktion. Um 8,12 und 18 Uhr schlägt sie dreimal dreifach in kurzen Intevallen an. Man nennt dies die "Betschläge". Der frome Hörer reagiert mit einem stillen Gebet, wo es eben möglich ist. Im weiten niedersächsischen Sprachraum wird mancherorts dies schlichte Gebet gesprochen:

"Die Glocke schlägt, Gott steh mir bei.

dass diese Stund´ glückselig sei,

und kommt die letzte Stund heran,

so nimm mich, Herr in Gaden an.

Amen."

Mit dem neunten Glockenschlag ist auch das Gebet zuende. (Vielleicht probieren Sie´s auch mal?)

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