Andachten

Kurz innehalten. Sich für einen Moment besinnen, woher wir eigentlich kommen, was wichtig ist im Leben. Dabei helfen uns kurze Andachten. Die Pastorinnen und Pastoren des Kirchenkreises Rotenburg verfassen jede Woche zwei Zeitungsandachten für die Rotenburger Rundschau und die Rotenburger Kreiszeitung. Wir veröffentlichen sie hier und schaffen damit ein Archiv, auf das Sie zurückgreifen können, wann immer Sie möchten. Denn: Ihre Zeitung werfen Sie irgendwann in den Papierkorb. Die Andachten behalten jedoch ihre Gültigkeit jenseits der Tagesaktualität.

Seiten

Datum
Titel
Name
Sa. 14.03.15
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch, Sonntag, 15.03.2015 bis Samstag, 21.03.2015

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Johannes 12, 24) 

 

Feiertag
Laetare (4. Sonntag in der Passionszeit)

 

 

Erklärung

Der Sonntag Laetare steht in der Mitte der Fastenzeit und wird deshalb auch „Mittfasten” genannt. Ein anderer Name für diesen Sonntag aufgrund des Evangeliums von der Brotvermehrung ist „Brotsonntag”.

Nachdem bisher der Aspekt der Schuld gegenüber Gott stärker in den Vordergrund getreten ist, tritt nun am Sonntag Laetare Gottes Handeln an uns Menschen in den Vordergrund als Antwort auf unsere Verfehlungen. Dadurch wird der wichtige Aspekt des Evangeliums deutlich, dass wir eben in erster Linie durch Gottes Hilfe frei werden von unseren Verfehlungen, und nicht durch unsere eigenen Werke. Ein Innehalten, ein fast fröhliches Aufatmen innerhalb der Passionszeit. 

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Mo. 09.02.15
Heinrich Albertz - ein Vorbild
Matthias Richter
Heinrich Albertz - ein Vorbild

Vor wenigen Tagen und hundert Jahren ist er geboren: Heinrich Albertz, der Herzblut-Pastor, der als Seiteneinsteiger in die Politik kam, von Willy Brandt nach Berlin geholt wurde und dort in bewegten Zeiten sein Nachfolger als Regierender Bürgermeister wurde. Von diesem Amt trat er zurück, weil er Verantwortung für den Tod eines Studenten übernahm, der von einem „seiner“ Polizisten erschossen wurde. Und wurde wieder einfacher Pastor, draußen in einem Vorort. Als solcher stellte er sich als Geisel zur Verfügung, damit ein von Terroristen entführter CDU-Politiker freikommt. Und mischte sich ein, besonders in der Friedensbewegung. Unvergessen sind mir als Jugendlicher seine Auftritte auf den Evangelischen Kirchentagen: Messehallen voller Menschen, die meisten davon jung, hingen dem alten Mann an den Lippen, wenn er von der Bekennenden Kirche, der Studentenbewegung und den Wegen und Brüchen seines Lebens erzählte. Mucksmäuschenstill war es da, weil man merkte: Der ist echt. Das ist ja auch selten, dass jemand zugibt: „Ich war am schwächsten, als ich mich am stärksten gefühlt habe.“ Das Geheimnis seines Lebens war für ihn ganz altmodisch das Erste Gebot: „Ich bin der Herr, dein Gott“. Mir klingt es noch im Ohr wie er erklärte: Wenn Du das ernst nimmst, brauchst Du keine Angst zu haben vor den vielen, die sich hier zu Göttern aufspielen, dich bestimmen wollen, dich beurteilen. Diese Bindung an Gott ist es, die eine Freiheit schafft, den Mund aufzumachen, sich einzusetzen – aber eben auch eigene Fehler einzugestehen. Immer wieder schärfte er seinen Zuhörern auch ein: Habt keine Angst zu einer Minderheit zu gehören. Wenn etwas gesagt werden muss um der Wahrheit, der Schwachen und des Friedens Willen, dann muss es raus, auch wenn die Stammtische und der Mainstream entgegenwehen. Da ist es auch egal, was dein Nachbar denken könnte.

Zum Glück mischen sich auch heute viele ein und machen den Mund dafür auf, dass nach der deutschen Verfassungsordnung die Würde des Menschen unantastbar ist - und nicht nur die Würde der Deutschen. Und dass Frieden und Gerechtigkeit für alle dazugehören. Vielleicht ist aber die Erinnerung an den Hundertjährigen eine Ermutigung, eben darin nicht nachzulassen.

 

KONTAKT

Matthias Richter

Matthias
Richter
Theologischer Direktor des Agaplesion Diakonieklinikums
Elise-Averdiek-Straße 17
27356
Rotenburg
Tel.: 
(04261) 77-0
Mo. 05.01.15
Gute Vorsätze
Gute Vorsätze

Haben Sie um die Jahreswende herum auch gute Vorsätze gefasst? Diese Tage bringen es ja oft mit sich, dass man zurück schaut und Bilanz zieht. So kann man sich über Gelungenes im vergangenen Jahr freuen und auch über Entwicklungen nachdenken, die vielleicht anders verlaufen sind, als man es sich gewünscht hat. Da kommt in 365 Tagen doch so einiges zusammen.

Mancher Rückblick lädt auch dazu ein, sich ganz konkrete Veränderungen vorzunehmen. Viele Menschen fassen dann bestimmte Vorsätze. Im neuen Jahr werde ich dies oder das nicht mehr tun bzw. dies oder das besonders schwungvoll in Angriff nehmen… Doch das kennen vermutlich viele von Ihnen auch aus eigener Erfahrung: Mit den guten Vorsätzen ist das nicht so einfach. Sie sind irgendwie nicht sehr beständig und lösen sich oft ziemlich schnell auf.

 

Zur Jahreswende bekam ich von einer Freundin Post mit einem Gedicht, das zu diesem Thema passt:

 

Flügel möchte ich besitzen,

bis zum blauen Himmel dringen,

wo die schönen Sterne blitzen –

schöner Engel, schenk mir Schwingen.

Als der Engel mich vernommen,

griff er in die Silbertruhe –

und was habe ich bekommen?

Gute, feste Wanderschuhe! (Hedwig Diestel)

 

Bei der Umsetzung guter Vorsätze hätten wir gerne manchmal engelhafte Kräfte, damit wir Mühsames und Anstrengendes sozusagen überfliegen können. Dabei sind bei den alltäglichen Aufgaben feste Wanderschuhe oft sehr nützlich.

 

Ich wünsche uns allen, dass wir uns mit stabilem Schuhwerk auf den Weg in das neue Jahr machen, verwurzelt und geerdet das anpacken, was getan werden muss – und dabei beflügelt und gestärkt sind von Gottes Nähe.

Mo. 08.12.14
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“
„Heute, Kinder, wird’s was geben …“

Eigentlich beginnt das Lied mit den Worten: „Morgen, Kinder, wird’s was geben, morgen werden wir uns freun …“ Und es ist auch kein Nikolauslied sondern ein Weihnachtslied. Trotzdem hoffe ich für alle kleinen und großen Kinder, dass es heute in den geputzten Schuhen was gegeben hat.

Am 6. Dezember pflegen wir diesen Brauch im Gedenken an den Heiligen Nikolaus. Im 4. Jahrhundert war er Bischof in Myra und hat sich offenbar immer wieder für andere eingesetzt und Gutes bewirkt. Über seine Taten erzählen eine Reihe von Legenden und zeichnen dabei das Bild eines mutigen Menschenfreundes. Er gibt von seinem Reichtum ab und trennt nicht zwischen sozialem Engagement und spirituellem Leben.

So berichtet eine Legende von einer großen Hungersnot in Myra. Da legte ein Schiff aus Ägypten im Hafen an, das voll beladen mit Korn war. Bischof Nikolaus bat den Kapitän, einen Teil des Korns auszuladen und so den Hungernden in Myra zu helfen. Doch der Kapitän sagte: „Das Getreide ist für den Kaiser in Konstantinopel bestimmt. Wenn auch nur ein Sack fehlt, werde ich hart bestraft.“ „Hab keine Angst“, sagte Nikolaus, „gib uns ruhig das Korn. Ich verspreche dir, es wird nichts fehlen, wenn du in Konstantinopel anlegst.“ Der Kapitän vertraute dem Bischof und ließ das Getreide abladen, das die Menschen in Myra brauchten. Als das Schiff später Konstantinopel erreichte, war die Ladung kein Gramm leichter geworden.

Eine andere Legende erzählt, wie der Bischof während einer Seereise einen Mann aus Seenot rettete. Danach forderte er die anderen Seeleute auf: „Vertraut auf Gott, so wie ich, sein Diener, auf ihn vertraue, und ihr werdet gerettet werden.“

Noch viele weitere Geschichten beschreiben eindrücklich dieses Lebensmotto von Bischof Nikolaus: Gott dienen und sich für Menschen einsetzen, die Unterstützung brauchen.

Lassen wir uns davon anstecken! Dann wird es bestimmt was geben!

Mo. 01.12.14
Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und…
Monatsspruch
Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien. Jes 35,1
KONTAKT
So. 23.11.14
Wochenspruch Sonntag, 23.11.2014 bis Samstag…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 23.11.2014 bis Samstag, 29.11.2014

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lukas 12, 35) 

 

Erklärung

Fünf Wochen vor dem Ende des Kalenderjahres endet mit diesem Sonntag das Kirchenjahr. Die einen nennen ihn Totensonntag. Diese Bezeichnung geht auf den preußischen König Friedrich Wilhelm III. zurück. In vielen Gemeinden wird der Verstorbenen gedacht. Die lutherischen Gottesdienstordnungen nach dem Krieg sprechen vom Ewigkeitssonntag (liturgische Farbe Grün). Lieder und Texte eröffnen den Blick über den Tod und das Ende hinaus. Sie machen Gottes neue Welt zum Thema: einen neuen Himmel und eine neue Erde. Die Lesung aus dem Buch der Offenbarung verheißt, Gott werde unter den Menschen wohnen, und kein Tod und kein Leid werde mehr sein. Die liturgische Farbe für den Totensonntag ist darum Weiß, Zeichen von Freude und Licht.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 09.11.14
Wochenspruch Sonntag, 09.11.2014 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 09.11.2014 bis Samstag, 15.11.2014

Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade, siehe, jetzt ist der Tag des Heils! (2. Korinther 6, 2b) 

Feiertag
Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

Erklärung

Es gehört zu den größten Glaubensgewissheiten der ersten Christen, dass ein von Gott heraufgeführtes Ende allen Seins kurz bevor stehe. Diese Hoffnung wird mit dem Begriff 'Naherwartung' beschrieben. Es hat die Christenheit in eine tiefe Glaubenskrise gestürzt, dass sich diese Erwartung nicht erfüllt hat.
Im Laufe der Kirchengeschichte hat sich die Erwartung des Weltendes mit den Vorstellungen über das individuelle Lebensende vermischt. Davon geben die Bibeltexte des heutigen Sonntags Zeugnis.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 19.10.14
Wochenspruch Sonntag, 19.10.2014 bis Samstag…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 19.10.2014 bis Samstag, 25.10.2014

Dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe. (1. Johannes 4, 21) 

 

Erklärung

Der 18. Sonntag nach Trinitatis ist bestimmt vom Evangelium über das „höchste Gebot“, das sowohl von der Gottesliebe als auch der Nächstenliebe redet. Dies gibt Gelegenheit, über das Verhältnis der Christen zum jüdischen Volk nachzudenken, denn dieses höchste Gebot stammt in seiner zweifachen Ausrichtung vollständig aus der jüdischen Tradition. Allerdings haben die anderen Texte nicht immer das „höchste Gebot“ im Sinn, sondern reden auch von der Nachfolge im Allgemeinen.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 28.09.14
Wochenspruch Sonntag, 28.09.2014 bis…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 28.09.2014 bis Samstag, 04.10.2014

 Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petrus 5, 7)

Erklärung

Sorgenfrei leben, wer möchte das nicht. Doch Sorgen gehören zum alltäglichen Leben. Der 15. Sonntag nach Trinitatis wirbt um Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten. Die Lesung aus der hebräischen Bibel lenkt den Blick auf die Schöpfung, in der alles zum Leben angelegt ist. Das Evangelium fragt danach, was wirklich lebensnotwendig und darum der Sorge wert ist.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 21.09.14
Wochenspruch Sonntag, 21.09.2014 bis Samstag…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 21.09.2014 bis Samstag, 27.09.2014

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103, 2) 

 

Erklärung

Danken ist das Stichwort für den 14. Sonntag nach Trinitatis. Ein Flüchtiger errichtet eine Gedenkstätte, weil Gott ihm Nähe und Schutz versprochen hat, so die Lesung aus der hebräischen Bibel. Einer von zehn Männern kehrt um und dankt Jesus für seine Heilung, erzählt das Evangelium. Und als Grundlage für die Predigt dient ein Abschnitt aus den Briefen des Apostels Paulus, der für das Engagement der kleinen Gemeinde von Thessaloniki dankt.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 07.09.14
Wochenspruch Sonntag, 07.09.2014 bis Samstag…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 07.09.2014 bis Samstag, 13.09.2014

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jesaja 42, 3) 

 

Erklärung

Eine Wende zum Heil in einer unheilen Welt? Der 12. Sonntag nach Trinitatis möchte die Hoffnung und die Erwartung dafür wach halten. Der Prophet Jesaja kündigt die Wende an, so der Text der Lesung aus der hebräischen Bibel. Paulus erfährt den Wandel am eigenen Leib, so die Epistel. Evangelium und Predigttext erzählen weitere Beispiele: Zeichen, dass Gottes neue Welt unter uns bereits angebrochen ist.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
So. 31.08.14
Wochenspruch Sonntag, 31.08.2014 bis Samstag…
Wochenspruch
Wochenspruch Sonntag, 31.08.2014 bis Samstag, 06.09.2014

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petrus 5, 5) 

 

Erklärung

Der 11. Sonntag nach Trinitatis widmet sich unserer Einstellung zu Gott und zu seinem Gnadenhandeln. Dafür werden im Evangelium die zwei völlig unterschiedlichen Charaktere des Pharisäers und des Zöllners einander gegenüber gestellt. Die übrigen Texte weisen mehr in die Richtung des „Seligwerdens aus Gnade“ und nicht aus Werken. Unsere Einstellung zu der Gnade Gottes ist entscheidend dafür, ob wir sie auch empfangen werden.

KONTAKT

Wochenspruch

Übernommen aus dem Kalenderblatt der internetseite der Landeskirche Hannover.
Sa. 19.07.14
Sieg und Niederlage
Sieg und Niederlage

Deutschland ist nach 24 Jahren wieder Weltmeister geworden. Bis kurz vor Schluss stand die Partie auf des Messers Schneide. Dann das erlösende 1:0 durch Mario Götze. Alles wurde gut. Deutschland ist verdienter Weltmeister geworden. Nicht zuletzt wegen guter sportlicher Leistungen, sondern auch wegen der Fairness, die die Spieler z.B. nach dem 7:1 Kantersieg gegenüber dem Gastgeber und Herausforderer Brasilien gezeigt haben. Die Haltung im Umgang mit den Brasilianern war nicht überheblich, herablassend, sondern aufrichtig mitfühlend.

Wie wäre es gewesen, wenn in der 30. Minute Gonzalo Higuains Tor kein Abseitstor gewesen wäre? Dann hieße es vielleicht: Deutschland hat eine schwere Schlappe erlitten, oder musste eine derbe Niederlage einstecken. Die Wörter lassen schon spüren, wie man sich fühlen kann, wenn man verloren hat: niedergedrückt, deprimiert, am Boden. „The winner takes it all, the looser’s  standing small“ – sangen ABBA in einem Song, der Gewinner kriegt alles, der Verlierer geht leer aus, oder steht klein da, wörtlich übersetzt. Der WM-Zweite wird in kurzer Zeit nicht mehr erwähnt werden. Niederlagen zählen nicht im Sport und nicht im gesellschaftlichen oder politischen Leben. Sie bringen einen aus der Ruhe, weil wir in einer Erfolgsgesellschaft leben, die für Looser keine Zeit hat, wie es in der Fußball und -Siegeshymne „We are the champions“ heißt, „no time for loosers“. Das bedeutet, Verlierer sind unnütz, wertlos, sie kriegen nicht mal unsere Aufmerksamkeit, unsere Zeit. So tun Niederlagen weh, wirklich weh. Sie tun nicht weh, oder wenigstens weniger, wenn sich Spielpartner oder Gegner auf Augenhöhe begegnen und beide wissen, dass sie Gewinner hätten sein können aber auch Verlierer. Deswegen sind verächtliche Siegerposen fehl auf dem Platz, weil sie verdrängen, dass man früher oder später auch mal scheitern kann. Denn niemand gewinnt immer. Misserfolge ärgern jeden, na klar. Wenn ich aber weiß, dass mein Leben nicht an diesem einen Spiel oder an dieser einen Situation hängt, wenn ich weiß, dass ich neue Chancen im Leben bekomme, was auch passiert ist, kann ich damit irgendwie zurecht kommen. Ich habe zwar verloren, bin aber deswegen nicht gleich verloren. Niederlagen tun auch dann weniger weh, wenn mir diese Erfahrung geläufig ist. Ich weiß, dass sie zum Leben gehören, zu jedem Leben, nicht nur zu meinem. Und wenn man gelernt hat, dass man aus Niederlagen auch lernen kann, dass zum Beispiel zum Erfolg, zum Gewinnen auch viel, viel Glück gehört, sieht das schon ganz anders aus. Was macht einen zum Gewinner oder zum Verlierer? Ich meine, manchmal schätzt man einen Sieg erst, wenn man auch mal verloren hat. Das hat die deutsche Mannschaft bei den vergangenen Welt- und Europameisterschaften gelernt und das macht ihr Auftreten bei der WM in Brasilien umso sympathischer. „Gott sei Dank hat es geklappt“, sagte Bundespräsident Gauck nach dem Spiel.

Offenbar scheinen der Weltmeistertitel und die folgenden Feierlichkeiten einigen Spielern nicht gutgetan zu haben. Bei der Party auf der Fanmeile in Berlin machten sich mehrere Fußballprofis über die Brasilianer und Finalgegner Argentinien lustig. Schade, dass der gute Eindruck dadurch nun wieder getrübt wird.

Mo. 07.07.14
Werden wir Weltmeister?!?
Werden wir Weltmeister?!?

Vielleicht ist diese Frage nach dem Spiel am Freitag ja schon längst beantwortet… Doch unabhängig davon, ob Deutschland gegen Frankreich verloren oder gewonnen hat, ist der Wunsch nach dem Weltmeister-Titel bei allen Fußball-Fans hierzulande sicherlich groß. Aber der Ball ist ja bekanntlich rund …

 

Bei dem Spiel auf dem grünen Rasen ging mir auch die Frage durch den Kopf: Wie steht es eigentlich in der Meisterschaft, in der wir alle mitspielen? Wie steht es um unsere WELT-Meisterschaft? Werden wir diese Welt meistern? Werden wir Gottes Spielregeln für eine gerechte Welt doch noch begreifen und sie an unserem jeweiligen Platz umsetzen lernen?

 

Das ist vielleicht noch schwieriger als die Herausforderung, besser als alle anderen das Runde ins Eckige zu treten oder zu köpfen. Besonders, weil wir diesen Wettbewerb nicht bequem vom Sessel vor dem Fernseher aus verfolgen können, auch nicht von den Rängen in den Stadien. Wir sind selbst mit dabei, sind mitverantwortlich dafür, am Ball zu bleiben und weder uns noch andere dabei ins Abseits zu stellen.

 

Werden wir da Weltmeister darin, in dieser Welt und mit ihr so zu leben, dass alle auf ihr leben können? – Zugegeben, manchmal gerät man ganz schön aus der Puste bei dieser WELT-Meisterschaft. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass einmal alle Menschen zu den Gewinnenden gehören werden. Unter dem Geist Gottes könnte der Himmel trotz mancher Niederlagen dieser Erde noch ein gutes Stück näher kommen.

 

Den Fußball-Fans wünsche ich noch spannende Spiele bis zum Ende der WM und uns allen viel Mut und gute Ideen beim Spiel in unserer WELT-Meisterschaft.

Di. 22.04.14
"Und was hast du für ein Hobby?"
"Und was hast du für ein Hobby?"

Seit gut 50 Jahren gibt es James-Bond-Filme. Zum Jubiläum kam Ende 2012 "Skyfall" in die Kinos, ein spannender Agententhriller. Die ersten Worte des Titelsongs lauten "This is the end!" ("Das ist das Ende!") Zunächst trifft das auch auf James Bond zu. Auf dem Dach eines fahrenden Zuges wird er von einer Kugel getroffen und stürzt in die bodenlose Tiefe eines reißenden Flusses. Nach seiner wundersamen Rettung kommt es allerdings zu einem weiteren Absturz: übermäßiger Alkoholkonsum und Tablettenmissbrauch bringen den harten Spion an den Rand. Schmerzhaft verzieht er das Gesicht, ringt nach Luft und hat seine zitternde Hand nicht mehr unter Kontrolle.

 

"Das ist das Ende!" – Wer den Anforderungen nicht mehr genügt, wer den Eignungstest nicht besteht, wer abstürzt, wer den Erwartungen nicht entspricht, der ist am Ende. Aber nicht James Bond! Als er vor seinem Gegenspieler steht, und der ihn fragt: "Und was hast du für ein Hobby?", antwortet "007": "Auferstehen!"

 

Auferstehen – das ist auch die Antwort des christlichen Glaubens auf Abstürze und auf alles, was so aussieht, als sei es das Ende. "This is the end!" haben die Anhänger und Wegbegleiterinnen von Jesus gedacht, als sie ihn am Kreuz qualvoll sterben sahen. Und dann, drei Tage später, hörten sie: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden!" (Lukas 24, 5b+6)

 

In Lebenssituationen, in denen der Boden unter meinen Füßen bedrohlich wankt, fällt es mir schwer, aufzustehen und begehbare Wege zu entdecken. Mir fehlt die Kraft für neue Schritte. Doch ich muss kein Superagent sein, um nach tiefen Krisen, Abstürzen, Versagen und Scheitern Auferstehung zu erleben. Ich kann es Gott zutrauen, dass er besonders an diesen Abgründen an meiner Seite steht und mich – auch durch die einfühlsame Begleitung hilfreicher Mitmenschen – Auferstehung erfahren lässt.

 

Ich wünsche Ihnen ein frohes Osterfest

Mo. 30.12.13
Ich sehe was, was...
Ich sehe was, was...

Sie kennen es sicherlich auch, dieses alte Kinderspiel: "Ich sehe was, was du nicht siehst..." In unterschiedlicher Zusammensetzung kann man es fast jederzeit und überall spielen. "Ich sehe was, was du nicht siehst. Und das ist grün!" "Das Moos neben dem Baumstamm? Das Auto dort unten? Die Jacke der Frau da vorne?"

"Ich sehe was, was du nicht siehst." Was sehen Sie, wenn Sie auf das neue Jahr 2014 blicken? Ein freudiges Ereignis? Einen bereits jetzt schon gut gefüllten Terminkalender? Einen Stellenwechsel? Ein Jubiläum?

Vielleicht sorgen Sie sich auch um das, was Sie sehen könnten: Wird mein Freund die erneute Krebserkrankung überleben? Behalte ich meinen Arbeitsplatz? Wird meine Kraft reichen für die vielleicht noch unsichtbaren Herausforderungen, die das neue Jahr mit sich bringt?

So klar und deutlich wie bei dem Kinderspiel können wir das, was uns in 2014 erwartet, vermutlich nicht sehen. Aber schon jetzt - kurz vor Beginn des neuen Jahres - gilt für alles, was wir erleben und erfahren werden: Gott will uns dabei begleiten. Unabhängig davon, ob das, was wir (nicht) sehen, blau oder gelb ist, dürfen wir uns darauf verlassen, dass Gott uns in allem und trotz allem nahe ist.

Ob Maria auch schon 'Ich sehe was, was du nicht siehst ' gespielt hat, weiß ich nicht, aber was wir an ihr erkennen können, hat Johannes Kuhn so beschrieben:

"Wie Maria – sich nicht verschließen, nicht nach Erklärung fragen, Vertrauen haben.

Wie Maria – ein weites Herz haben, Gott einlassen und sich nicht fürchten vor dem,

was kommt."

Diese Zuversicht wünsche ich Ihnen und mir für 2014!

Mo. 02.12.13
Ein Kind verändert das Leben
Ein Kind verändert das Leben

Ein Kind kommt – und verändert das Leben.

Es verändert den Tagesablauf und den Nachtschlaf der Eltern. Seine Bedürfnisse bestimmen den Alltag.

Es verändert die Blickrichtung der Eltern. Es zeigt ihnen, was wichtig ist im Leben: Liebe, Fürsorge, Nähe.

Die Eltern haben ein Wunder erlebt, das Wunder der Geburt.

Es zeigt, dass das Leben ein Geschenk ist – und nicht selbstverständlich.

Manches Paar hat gespürt, dass hier Gott selbst am Werk ist.

Ein Kind, ein neues Leben kommt in unser Leben – und wir entdecken erstaunt, wie viel Liebe in uns steckt, die wir weitergeben können.

Advent – ein Kind kommt und verändert das Leben.

Es verändert das Leben von Maria und Josef, seinen Eltern. Haben sie damals etwas anderes gefühlt als die Eltern heute?

Wahrscheinlich nicht.

Dieses Kind kommt und verändert das Leben von uns Menschen. Denn als der erwartete Messias und Erlöser kommt es anders als erwartet. Als Kind einfacher Leute in einem Stall geboren und nicht als Prinz in einem Schloss.

Und damit zeigt sich schon, was der erwachsene Jesus predigen und leben wird.

Er wird die Welt auf den Kopf stellen und das Leben verändern.

Den Erwachsenen stellt er die Kinder als Vorbilder im Glauben hin.

Den ganz Gesetzessturen sagt er, dass der Mensch wichtiger ist als die Vorschriften.

Die Rachsüchtigen ermahnt er: Vergebt und geht auf den Nächsten zu.

Den Richtenden sagt er: Wer ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.

Advent – ein Kind kommt und verändert die Welt – damals wie heute.

Mo. 24.11.14
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt…
„Weihnachten und andere Katastrophen“ heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Irgendwas geht immer schief bei den Festvorbereitungen.

"Weihnachten und andere Katastrophen" heißt ein Buch mit humorvollen Geschichten. Igendetwas geht immer schief bei den Festevorbereitungen.

So wie der Weihnachtsbaum, der, am Vorabend geschmückt, mit all seiner Pracht am nächsten Morgen bei uns im Wohnzimmer lag und den ganzen Heiligabendzeitplan durcheinanderbrachte.

Und warum wieder ausgerechnet am Heiligabend mit dem Kind zum ärztlichen Wochenenddienst?

Alle Planungen scheinen nichts zu nützen, um das Fest gelingen zu lassen.

Wird dieses Jahr Weihnachten wieder was passieren? Zuhause? Oder etwas ganz Furchtbares, wie die Flutwelle vor einigen Jahren in Asien oder das Erdbeben im Iran. Warum immer zu Weihnachten.

Da ist doch der Wunsch, dass alles gut sein möge, die Sehnsucht nach ein bisschen heiler Welt - wenigstens an Weihnachten. Bin ich behütet? Kann ich sicher sein? Habe ich Menschen, die sich um  mich kümmern? Wenigstens an Weihnachten - und der Erwartungsdruck ist dann stark, dass alle sich vertragen und guter Stimmung sind. Diese Erwartungen an das Fest!

Was tun mit seinen Erwartungen ? Wer erwartet, der hofft.

„Alle Jahre wieder…“ als ob wir jedes Jahr von vorne anfangen mit dem Hoffen. Als ob wir jedes Jahr wieder bei Null beginnen müssen. “Kehrt mit seinem Segen ein in jedes Haus.“ Gott selbst gibt die Hoffnung nicht auf. Und fängt von vorne an. Mit uns – nicht mit seinem Segen. Und auch nicht jedes Jahr, sondern ein für alle Mal. Mit der Geburt seines Sohnes Jesus, in dem sich Gott hier auf der Erde zeigt. So sagt Gott „ja“ zu uns, ein für alle Mal.

Wir haben Gottes ganzen Segen. Es mag noch manches passieren an kleinen und großen Katastrophen, aber seinen Segen haben wir – auch dann.

Gott verspricht nicht, dass das Essen nicht anbrennt und der Tannenbaum gerade stehen bleibt, und dass alle sich in der Familie vertragen. Vielmehr sagt er: obwohl das alles passieren kann, gehörst du zu mir. Verlass dich drauf. Auch wenn schlimme Dinge passieren können, ich habe meinen ganzen Segen über dir ausgebreitet, über der ganzen Menschheit. Alle Liebe, die ich habe, habe ich gegeben in Jesus, sagt Gott. Ein für alle Mal. Und das kannst du feiern, wenn du das Kind in der Krippe feierst.

Pastor Henning Sievers

Pastor der Michaelskirche

Mo. 07.10.13
Teamwork
Teamwork

Vor einigen Tagen las ich in einer Zeitschrift folgende Geschichte:

"Zum Erntedank besucht der Pfarrer seine Bauern. Voller Stolz zeigt ihm Bauer Hinnerk seinen Hof mit den bestellten Feldern, den üppig gefüllten Scheunen und dem nagelneuen Milchtank. Der Pfarrer ist sichtlich beeindruckt, ermahnt den Bauern aber eindringlich: "Denk daran, wem du das alles zu verdanken hast! Gott hat bei alledem mitgeholfen!" "Das weiß ich", antwortet Hinnerk. "Aber, Herr Pfarrer, Sie hätten mal sehen sollen, wie runtergekommen der Hof war, als Gott ihn noch allein bewirtschaftet hat."

Recht hat er, dieser Bauer, habe ich gedacht. Ernte und Erntedank ist keine einseitige Angelegenheit sondern immer auch Teamwork. Das gilt genau so für die Ernten im Leben. Umgraben, einsäen, pflegen, Früchte einsammeln auch auf dem Acker des Lebens - eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Gott und Mensch.

Dorothee Sölle hat es einmal so ausgedrückt: "Gott hat keine anderen Hände als unsere. Keine anderen Augen, keine anderen Ohren."

Gott braucht uns für not-wendige Veränderungen in dieser Welt, für den klaren Blick in undurchsichtigen Zusammenhängen, für aufmerksames Hören auf das, was im alltäglichen Lärm manchmal übertönt wird.

Auf der anderen Seite brauchen wir das Bewusstsein, dass nicht alles in dieser Welt, in unserem Leben machbar, kalkulierbar und berechenbar ist. Und ebenso benötigen wir das Vertrauen in Gottes tragende Nähe, die uns auch in ertraglosen und unruhigen Zeiten hält.

 

Gutes Gelingen in dieser Zusammenarbeit wünscht Ihnen

Mi. 25.09.13
Unser tägliches Brot gib uns heute....
Unser tägliches Brot gib uns heute....

In unseren Breiten gehört die Scheibe Brot zur täglichen Ernährung. Morgens mit Marmelade und abends mit Leberwurst bestrichen, möchten wir nicht darauf verzichten.

Brot gehört dazu. Früher kam das ganze Dorf zusammen, um das Brot im Backhaus zu backen. Heute stehen wir in der Bäckerei vor vollen Regalen und können wählen zwischen unendlich vielen Sorten. Brot ist selbstverständlich und im Überfluss vorhanden. Das war nicht immer so, doch inzwischen leiden wir in unserer Region daran keinen Mangel. Gott sei Dank!

 

Sie alle kennen das Vaterunser. In einer Bitte dieses Gebetes heißt es: "Unser tägliches Brot gib uns heute".

Ist denn diese Bitte bei den vollen Regalen überhaupt noch zeitgemäß? Wir brauchen doch nicht mehr zu bitten, wir können doch kaufen. Ja, stimmt, Brot können wir kaufen; manchmal so viel, dass einiges davon im Müll landet. 

Aber können wir Brot noch achten und dafür dankbar sein?

 

So viel ist nötig, damit wir Brot auf dem Tisch haben: die Samenkörner müssen keimen und wachsen. Das gelingt nur, wenn guter Boden und das passende Wetter die Bedingungen dafür schaffen. Dann steht das Getreide -wenn alles gut geht- so schön und üppig auf den Feldern. Danach geht es an die Ernte, das reife Korn wird zu Mehl verarbeitet und das schließlich zu Brot. Wer diesen Werdegang betrachtet, begreift: Brot ist etwas Wunderbares und Wertvolles.

 

"Unser tägliches Brot gib uns heute". Diese Bitte erinnert uns an das Wertvolle und Lebensnotwendige, das wir von Gott und den Menschen bekommen. Dazu gehört ja nicht nur Brot, also Essen und Trinken. Dazu gehört viel mehr: Zeit, die wir für uns selbst und für andere haben; Freundschaft, die den anderen/ die andere mit Gottes Augen sieht; Freude daran, mit anderen zu teilen....

Ihnen fällt sicher noch mehr ein. Und das alles wünsche ich Ihnen.

Seiten